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19.May.2012 00:42:30 
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 ADSL Superschnelles Telefon

Mit ISDN war bislang das Ende der Fahnenstange erreicht: Schneller ließen sich Daten nicht durch die Telefonleitung schicken. Doch jetzt kommt ADSL: eine Technologie, die traumhafte Geschwindigkeiten beim Surfen im Internet verspricht.

Datenreisen können gar nicht schnell genug sein. Doch selbst mit einem schnellen Modem oder ISDN heißt es immer häufiger: "Bitte warten!" Jede Menge aufwendige Grafiken, bunte Videos und laute Musik fordern eben ihren Tribut. Abhilfe soll eine neue Übertragungstechnik namens ADSL schaffen: Verglichen mit der bisher schnellsten ISDN-Variante sollen die Daten bis zu neun Mal so schnell durch das Netz rauschen. Das gute daran: ADSL funktioniert, ohne dass neue Kabel verlegt werden müssen. Die vorhandenen zwei Adern, die schon in jeder Telefonleitung enthalten sind, reichen aus. Damit hat es einen großen Vorteil gegenüber dem Kabelmodem, das einen Internet-Anschluss über das Fernsehkabelnetz ermöglicht. Denn im Gegensatz zu einem Kabelnetzanschluß sind Telefonanschlüsse schon flächendeckend vorhanden.

Obwohl dieselbe Infrastruktur verwendet wird, ist ADSL deutlich schneller als ISDN. Der Trick: Die Daten werden nicht, wie bei Modem oder ISDN, in hörbare Töne umgewandelt, sondern in unzählige verschiedene, für den Menschen nicht wahrnehmbare Frequenzen. Dadurch lassen sich deutlich mehr Daten gleichzeitig über das Kupferkabel verschicken. Die Übertragung wird dadurch wesentlich schneller. Weiterer Vorteil: Während der Datenübertragung können Kunden problemlos gleichzeitig telefonieren. ADSL bietet außerdem quasi eine Standleitung: Wer ins Internet gehen will, muss keine Wähl-Software starten – die Verbindung wird automatisch hergestellt.

ADSL ist allerdings nur eine Variante einer ganzen Familie von Übertragungsmethoden, die als xDSL bezeichnet werden. Ein Internet-Provider in Köln bietet seinen Kunden beispielsweise SDSL an, einen "Symmetric Digital Subscriber Line" genannter Datendienst. Das "Symmetric" drückt ein technisches Leistungsmerkmal aus: nämlich dass in beide Richtungen die gleiche Übertragungsgeschwindigkeit möglich ist. Dazu später mehr.

Die wichtigsten DSL-Varianten

Allen xDSL-Varianten gemeinsam ist die Basistechnologie "Digital Subscriber Line" – zu Deutsch "digitale Teilnehmer-Anschlussleitung". Die wichtigsten "Familienmitglieder" der DSL-Familie sind ADSL, SDSL und HDSL. Die DSL-Signale werden wie die Telefonsignale über die gleichen Leitungen geschickt, sind also eine Punkt-Zu-Punkt-Verbindung, die jeweils nur von diesem einen Anwender genutzt wird.

Dabei verwendet DSL aber andere Frequenzen als das Telefon. Das analoge Telefonsignal arbeitet im Bereich von 0 bis 4 kHz.
Im Technik-Jargon wird es mit POTS abgekürzt, wörtlich: "das gute, alte Telefonsignal"). ISDN deckt das Spektrum von 0 bis 130 kHz ab. DSL-Übertragungen nutzen den Bereich ab etwa 25 kHz.

    ADSL-Technologie benutzt die herkömmliche Telefonleitung, bietet aber in den beiden Übertragungsrichtungen unterschiedliche Geschwindigkeiten – deswegen auch die Bezeichnung "asymmetrisch". Zum Anwender hin (Downstream) können theoretisch bis zu acht Megabit pro Sekunde fließen, umgekehrt sind es bis zu ein Megabit. Die Leistungsfähigkeit hängt auch von der Entfernung zwischen Sender und Empfänger ab: Die Reichweite von ADSL beträgt etwa 5,5 Kilometer. Zusätzlich bietet ADSL auch den herkömmlichen Telefondienst.

    SDSL wiederum ist ein Sammelbegriff für providerabhängige DSL-Varianten über das normale zweiadrige Telefonkabel kann mit oder ohne Telefondiensten arbeiten. Im Gegensatz zu ADSL ist die Geschwindigkeit bei SDSL in beiden Richtungen gleich hoch. Das ist für Anwender wichtig, die nicht nur im Internet surfen, sondern selbst große Datenmengen losschicken – wie sie zum Beispiel bei Videokonferenzen oder digitaler Sprachübertragung anfallen oder wenn größere Druckdateien an Druckereien zu versenden sind.

    HDSL ist eine andere Variante von DSL und im Profi-Bereich gebräuchlich.
Die – nicht standardisierte – Technik erlaubt Daten mit bis zu 2,3 Megabit pro Sekunde in beiden Richtungen zu übertragen, arbeitet mit mehreren Kupferadernpaaren und benutzt Frequenzen bis 240 Kilohertz. HDSL enthält keine Telefondienste. Die weiterentwickelte Variante HDSL-2 erreicht 1,5 Megabit pro Sekunde über ein Leitungsadernpaar in beiden Richtungen und ist im Gegensatz zu HDSL standardisiert.

Daneben gibt es noch weitere DSL-"Dialekte", die derzeit aber keine größere Rolle spielen: G.Lite ADSL, RADSL oder IDSL.

Der Splitter trennt Telefon- und DSL-Signale

Die DSL-Informationen werden beim Anwender mit einem sogenannten Splitter aus dem gemeinsamen Daten-/Telefonstrom herausgeholt und zum Modem weitergeleitet. Zwischen Modem und Computer wirkt schließlich Netzwerktechnik pur: Das ADSL-Modem ist per 10BaseT-
Technik an den Computer angeschlossen. Das heißt, im PC genügt eine einfache Ethernet-Netzwerkkarte mit der entsprechenden Schnittstelle.

Aber wie werden bei ADSL die Frequenzen getrennt? Bis 130 kHz ist das Frequenzspektrum mit POTS oder ISDN belegt. Oberhalb dieser Grenze bis zu 1 MHz befindet sich der von ADSL genutzte Frequenzbereich. Zur Auftrennung dieses Bereiches benutzen die Hersteller zwei unterschiedliche Verfahren: CAP und DMT. Die beiden sind leider miteinander nicht kompatibel. Wer ADSL benutzt, muss also sowohl Online- und Telefonanschluss sowie die Hardware aus einer Hand nehmen. Die Alternative: Der Anwender erkundigt sich, ob eigene Geräte mit dem Dienstangebot funktionieren. Bei der Telekom ist der Kunde jedoch zur Zeit auf das angewiesen, was ihm der "rosa Riese" hinstellt: Ein von der Telekom beauftragter Techniker kommt ins Haus und installiert den Splitter. Telekom-unabhängige Technik ist vorläufig nicht vorgesehen.

Je höher die Frequenz, umso schlechter ist ein Kabel für die Datenübertragung geeignet, denn dabei kommt es zu Datenverlusten. Deswegen wird beim CAP-Verfahren besonders der Downstream gebremst. Da in der Regel unbekannt ist, wie es um die Qualität der Leitung zum Endanwender bestellt ist, nimmt die Bedeutung von CAP ab. Bessere Ergebnisse erzielt DMT. Es teilt die Datenströme in mehrere Teilfrequenzen von je 4 kHz Breite auf und bestimmt die Frequenzverteilung danach, wie gut die Qualität des Signals ist. Die Telefongesellschaft bestimmt beim Einschalten für jeden Frequenzkanal die Zuteilung und teilt diese dem Modem mit.

Kritische Faktoren, die Übertragung beeinträchtigen

Drei mögliche Fehlerquellen gibt es für das ADSL-Datensignal: Kabeldämpfung, Übersprechen oder Signalreflexionen.

Die Kabeldämpfung sorgt bei langen Leitungen dafür, dass das Signal immer schwächer wird, je länger es unterwegs ist. Bei der Deutschen Telekom beträgt die durchschnittliche Entfernung zwischen einem Telefonanschluss und der Ortsvermittlungsstelle 2 km – das ist ein unkritischer Wert.

Beim Übersprechen stören sich die Signale mehrerer nebeneinander liegender Kabel gegenseitig. Auch das ist im Geschäftsbereich der Deutschen Telekom kein Problem, denn zum einen sind aus Sicherheitsgründen sowieso maximal 70 Prozent der Telefonleitungen in einem Strang belegt. Zum anderen dümpeln in fast allen Leitungen nur niederfrequente Telefonsignale, die das DSL-Signal nicht stören.

Signalreflexionen sind im Kabel selbst auftretende Störungen. Das wird normalerweise dadurch unterbunden, dass die Endgeräte auf beiden Seiten der Leitung aufeinander eingemessen werden. Da dies teuer ist, beschränkt die Telekom die Übertragungsgeschwindigkeit auf 768 Kbit pro Sekunde im Downstream und auf 128 Kbit im Upstream – und spart sich die Messung.

Die nächste Zukunft

Wie die künftige Entwicklung von DSL aussieht, erfahren Interessenten auf den Seiten des internationalen DSL-Forums . In diesem Forum arbeiten Hersteller und Dienstleister zusammen. Unter anderem diskutieren die Experten hier gegenwärtig ein Splitter-loses ADSL, "DSL-Lite" genannt. Ziel ist, die Installation so einfach zu machen wie die eines analogen Modems: Stecker in die Dose und los geht's. Der Telekom-Techniker, der heute noch den Splitter installiert, gehört dann der Vergangenheit an. Wie DSL-Lite letztlich aussehen wird, weiß noch niemand. Klar ist nur, dass es nicht die volle ADSL-Leistung bringen wird, sondern nur bis zu 1,5 Megabit pro Sekunde im Downstream.

Der nächste Schritt zu noch mehr Tempo ist bereits angedacht: VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) bietet in der asymmetrischen Version den Downstream mit bis zu 52 Megabit pro Sekunde an – und gilt damit als offizieller Nachfolger von ADSL. Als Upstream sind 6,4 Megabit vorgesehen. Die symmetrische Version ermöglicht in beiden Richtungen etwa 34 Megabit. Um eine solche Übertragungsgeschwindigkeit möglich zu machen, sind allerdings deutlich geringere Distanzen zwischen Nutzer und Anschaltstelle erforderlich als bei ADSL: Bis zu 300 Meter erlaubt dieses Super-ADSL. Um VDSL überhaupt anbieten zu können, ist also ein viel engmaschigeres Verteilnetz notwendig. Bis es das geben kann, wird eine Weile verstreichen. Für Privatkunden wird VDSL ohnehin in absehbarer Zeit nicht erschwinglich sein. Doch bei 52 Megabit lassen sich problemlos zahlreiche Fernsehkanäle als Datenstrom live übertragen.

Die verschiedenen DSL-Technologien stellen zwar erstaunliche Bandbreiten zur Verfügung, doch nicht immer wird die Verbindung ins Internet dadurch spürbar schneller. Der Grund: ADSL überbrückt lediglich die Strecke bis zum Provider. Alles, was danach kommt, vor allem die verwendeten Backbones, sind davon nicht betroffen. Steht am anderen Ende der Leitung auch noch ein wenig leistungsfähiger Server, der Daten nur zögerlich rausrückt, nützt auch das ADSL nicht viel

Weitere Informationen

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