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Mit ISDN war bislang das Ende der
Fahnenstange erreicht: Schneller ließen sich Daten nicht durch die
Telefonleitung schicken. Doch jetzt kommt ADSL: eine Technologie, die traumhafte
Geschwindigkeiten beim Surfen im Internet verspricht.
Datenreisen können gar nicht schnell genug sein. Doch selbst
mit einem schnellen Modem oder ISDN heißt es immer häufiger: "Bitte warten!"
Jede Menge aufwendige Grafiken, bunte Videos und laute Musik fordern eben ihren
Tribut. Abhilfe soll eine neue Übertragungstechnik namens ADSL schaffen:
Verglichen mit der bisher schnellsten ISDN-Variante sollen die Daten bis zu neun
Mal so schnell durch das Netz rauschen. Das gute daran: ADSL funktioniert, ohne
dass neue Kabel verlegt werden müssen. Die vorhandenen zwei Adern, die schon in
jeder Telefonleitung enthalten sind, reichen aus. Damit hat es einen großen
Vorteil gegenüber dem Kabelmodem, das einen Internet-Anschluss über das
Fernsehkabelnetz ermöglicht. Denn im Gegensatz zu einem Kabelnetzanschluß sind
Telefonanschlüsse schon flächendeckend vorhanden.
Obwohl dieselbe
Infrastruktur verwendet wird, ist ADSL deutlich schneller als ISDN. Der Trick:
Die Daten werden nicht, wie bei Modem oder ISDN, in hörbare Töne umgewandelt,
sondern in unzählige verschiedene, für den Menschen nicht wahrnehmbare
Frequenzen. Dadurch lassen sich deutlich mehr Daten gleichzeitig über das
Kupferkabel verschicken. Die Übertragung wird dadurch wesentlich schneller.
Weiterer Vorteil: Während der Datenübertragung können Kunden problemlos
gleichzeitig telefonieren. ADSL bietet außerdem quasi eine Standleitung: Wer ins
Internet gehen will, muss keine Wähl-Software starten – die Verbindung wird
automatisch hergestellt.
ADSL ist allerdings nur eine Variante einer
ganzen Familie von Übertragungsmethoden, die als xDSL bezeichnet werden. Ein
Internet-Provider in Köln bietet seinen Kunden beispielsweise SDSL an,
einen "Symmetric Digital Subscriber Line" genannter Datendienst. Das
"Symmetric" drückt ein technisches Leistungsmerkmal aus: nämlich dass in beide
Richtungen die gleiche Übertragungsgeschwindigkeit möglich ist. Dazu später
mehr.
Die wichtigsten DSL-Varianten
Allen xDSL-Varianten gemeinsam ist die Basistechnologie
"Digital Subscriber Line" – zu Deutsch "digitale Teilnehmer-Anschlussleitung".
Die wichtigsten "Familienmitglieder" der DSL-Familie sind ADSL, SDSL und HDSL.
Die DSL-Signale werden wie die Telefonsignale über die gleichen Leitungen
geschickt, sind also eine Punkt-Zu-Punkt-Verbindung, die jeweils nur von diesem
einen Anwender genutzt wird.
Dabei verwendet DSL aber andere Frequenzen
als das Telefon. Das analoge Telefonsignal arbeitet im Bereich von 0 bis 4 kHz.
Im Technik-Jargon wird es mit POTS abgekürzt, wörtlich:
"das gute, alte Telefonsignal"). ISDN deckt das Spektrum von 0 bis 130 kHz ab.
DSL-Übertragungen nutzen den Bereich ab etwa 25
kHz.
ADSL-Technologie benutzt die
herkömmliche Telefonleitung, bietet aber in den beiden Übertragungsrichtungen
unterschiedliche Geschwindigkeiten – deswegen auch die Bezeichnung
"asymmetrisch". Zum Anwender hin (Downstream) können theoretisch bis zu acht
Megabit pro Sekunde fließen, umgekehrt sind es bis zu ein Megabit. Die
Leistungsfähigkeit hängt auch von der Entfernung zwischen Sender und Empfänger
ab: Die Reichweite von ADSL beträgt etwa 5,5 Kilometer. Zusätzlich bietet ADSL
auch den herkömmlichen Telefondienst.
SDSL
wiederum ist ein Sammelbegriff für providerabhängige DSL-Varianten über das
normale zweiadrige Telefonkabel kann mit oder ohne Telefondiensten arbeiten. Im
Gegensatz zu ADSL ist die Geschwindigkeit bei SDSL in beiden Richtungen gleich
hoch. Das ist für Anwender wichtig, die nicht nur im Internet surfen, sondern
selbst große Datenmengen losschicken – wie sie zum Beispiel bei Videokonferenzen
oder digitaler Sprachübertragung anfallen oder wenn größere Druckdateien an
Druckereien zu versenden sind.
HDSL ist eine
andere Variante von DSL und im Profi-Bereich gebräuchlich. Die – nicht
standardisierte – Technik erlaubt Daten mit bis zu 2,3 Megabit pro Sekunde in
beiden Richtungen zu übertragen, arbeitet mit mehreren Kupferadernpaaren und
benutzt Frequenzen bis 240 Kilohertz. HDSL enthält keine Telefondienste. Die
weiterentwickelte Variante HDSL-2 erreicht 1,5 Megabit pro Sekunde über ein
Leitungsadernpaar in beiden Richtungen und ist im Gegensatz zu HDSL
standardisiert.
Daneben gibt es noch weitere DSL-"Dialekte", die derzeit
aber keine größere Rolle spielen: G.Lite ADSL, RADSL oder IDSL.
Der Splitter trennt Telefon- und DSL-Signale
Die DSL-Informationen werden beim Anwender mit einem sogenannten Splitter aus
dem gemeinsamen Daten-/Telefonstrom herausgeholt und zum Modem weitergeleitet.
Zwischen Modem und Computer wirkt schließlich Netzwerktechnik pur: Das
ADSL-Modem ist per 10BaseT- Technik an den Computer angeschlossen. Das heißt,
im PC genügt eine einfache Ethernet-Netzwerkkarte mit der entsprechenden
Schnittstelle.
Aber wie werden bei ADSL die Frequenzen getrennt? Bis 130
kHz ist das Frequenzspektrum mit POTS oder ISDN belegt. Oberhalb dieser Grenze
bis zu 1 MHz befindet sich der von ADSL genutzte Frequenzbereich. Zur
Auftrennung dieses Bereiches benutzen die Hersteller zwei unterschiedliche
Verfahren: CAP und DMT. Die beiden sind
leider miteinander nicht kompatibel. Wer ADSL benutzt, muss also sowohl Online-
und Telefonanschluss sowie die Hardware aus einer Hand nehmen. Die Alternative:
Der Anwender erkundigt sich, ob eigene Geräte mit dem Dienstangebot
funktionieren. Bei der Telekom ist der Kunde jedoch zur Zeit auf das angewiesen,
was ihm der "rosa Riese" hinstellt: Ein von der Telekom beauftragter Techniker
kommt ins Haus und installiert den Splitter. Telekom-unabhängige Technik ist
vorläufig nicht vorgesehen.
Je höher die Frequenz, umso schlechter ist
ein Kabel für die Datenübertragung geeignet, denn dabei kommt es zu
Datenverlusten. Deswegen wird beim CAP-Verfahren besonders der Downstream
gebremst. Da in der Regel unbekannt ist, wie es um die Qualität der Leitung zum
Endanwender bestellt ist, nimmt die Bedeutung von CAP ab. Bessere Ergebnisse
erzielt DMT. Es teilt die Datenströme in mehrere Teilfrequenzen von je 4 kHz
Breite auf und bestimmt die Frequenzverteilung danach, wie gut die Qualität des
Signals ist. Die Telefongesellschaft bestimmt beim Einschalten für jeden
Frequenzkanal die Zuteilung und teilt diese dem Modem mit.
Kritische Faktoren, die Übertragung beeinträchtigen
Drei mögliche Fehlerquellen gibt es für das ADSL-Datensignal:
Kabeldämpfung, Übersprechen oder Signalreflexionen.
Die
Kabeldämpfung sorgt bei langen Leitungen dafür, dass das Signal immer
schwächer wird, je länger es unterwegs ist. Bei der Deutschen Telekom beträgt
die durchschnittliche Entfernung zwischen einem Telefonanschluss und der
Ortsvermittlungsstelle 2 km – das ist ein unkritischer Wert.
Beim
Übersprechen stören sich die Signale mehrerer nebeneinander liegender
Kabel gegenseitig. Auch das ist im Geschäftsbereich der Deutschen Telekom kein
Problem, denn zum einen sind aus Sicherheitsgründen sowieso maximal 70 Prozent
der Telefonleitungen in einem Strang belegt. Zum anderen dümpeln in fast allen
Leitungen nur niederfrequente Telefonsignale, die das DSL-Signal nicht
stören.
Signalreflexionen sind im Kabel selbst auftretende
Störungen. Das wird normalerweise dadurch unterbunden, dass die Endgeräte auf
beiden Seiten der Leitung aufeinander eingemessen werden. Da dies teuer ist,
beschränkt die Telekom die Übertragungsgeschwindigkeit auf 768 Kbit pro Sekunde
im Downstream und auf 128 Kbit im Upstream – und spart sich die Messung.
Die nächste Zukunft
Wie die künftige Entwicklung von DSL aussieht, erfahren
Interessenten auf den Seiten des internationalen DSL-Forums . In diesem Forum arbeiten Hersteller und
Dienstleister zusammen. Unter anderem diskutieren die Experten hier gegenwärtig
ein Splitter-loses ADSL, "DSL-Lite" genannt. Ziel ist, die Installation so
einfach zu machen wie die eines analogen Modems: Stecker in die Dose und los
geht's. Der Telekom-Techniker, der heute noch den Splitter installiert, gehört
dann der Vergangenheit an. Wie DSL-Lite letztlich aussehen wird, weiß noch
niemand. Klar ist nur, dass es nicht die volle ADSL-Leistung bringen wird,
sondern nur bis zu 1,5 Megabit pro Sekunde im Downstream.
Der nächste
Schritt zu noch mehr Tempo ist bereits angedacht: VDSL (Very High Speed Digital
Subscriber Line) bietet in der asymmetrischen Version den Downstream mit bis zu
52 Megabit pro Sekunde an – und gilt damit als offizieller Nachfolger von ADSL.
Als Upstream sind 6,4 Megabit vorgesehen. Die symmetrische Version ermöglicht in
beiden Richtungen etwa 34 Megabit. Um eine solche Übertragungsgeschwindigkeit
möglich zu machen, sind allerdings deutlich geringere Distanzen zwischen Nutzer
und Anschaltstelle erforderlich als bei ADSL: Bis zu 300 Meter erlaubt dieses
Super-ADSL. Um VDSL überhaupt anbieten zu können, ist also ein viel
engmaschigeres Verteilnetz notwendig. Bis es das geben kann, wird eine Weile
verstreichen. Für Privatkunden wird VDSL ohnehin in absehbarer Zeit nicht
erschwinglich sein. Doch bei 52 Megabit lassen sich problemlos zahlreiche
Fernsehkanäle als Datenstrom live übertragen.
Die verschiedenen
DSL-Technologien stellen zwar erstaunliche Bandbreiten zur Verfügung, doch nicht
immer wird die Verbindung ins Internet dadurch spürbar schneller. Der Grund:
ADSL überbrückt lediglich die Strecke bis zum Provider. Alles, was danach kommt,
vor allem die verwendeten Backbones, sind davon nicht betroffen. Steht am
anderen Ende der Leitung auch noch ein wenig leistungsfähiger Server, der Daten
nur zögerlich rausrückt, nützt auch das ADSL nicht viel
Weitere Informationen DSL-Forum:
Hier
arbeiten Hardware-, Software- und Internetunternehmen zusammen.
xDSL: Alles zur DSL-Technik
mit ihren viele Varianten: Links zu allen Herstellern, technische Informationen
und mehr.
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